Als Favorit hinzufügen
 

Wundervolle Arien trotzen widrigen Umständen

Gesangsklasse von Professor Heyer zeigte erneut ihr Können

 

„Ein Konzert mit Opernsängern am Mittwochabend? Funktioniert das?“ fragte sich am Vormittag des Konzerts bereits der Klavierstimmer. Und tatsächlich stand das Konzert zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Kippe. Jedoch nicht mangels Publikum, wie man vermuten könnte, sondern weil seit dem Vorabend eine Absage nach der anderen bei dem Leiter der Gesangsklasse, Professor Heyer von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, eintraf. „In Frankfurt, das ist übrigens die nächste Stadt nicht weit von hier, ist der Winter ausgebrochen. Meine Schüler sind alle erkältet“, entschuldigte er seine Schützlinge und teilte mit, dass das Konzert aus diesem Grund nicht wie geplant stattfinden kann. Dies wurde vom Publikum mit einem lauten „Oooh“ beantwortet.

Wer jetzt dachte, dass Konzert fiele aus, kennt Herrn Heyer schlecht. Er hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um für Ersatz zu sorgen. Bei vielen erntete er allerdings Absagen. Sei es ein Opernauftritt, ein Gesangsabend oder eine Radioaufnahme, seine ehemaligen Schüler sind beschäftigt. Erfolgreich helfen konnte aber Marina Unruh, die dem Heilsberger Publikum aus früheren Jahren bekannt ist und auch bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen schon mitgewirkt hat. Sie brachte kurzerhand ihre Schülerin Johanna Möller mit, die sich noch auf die Aufnahmeprüfung der Gesangsklasse vorbereitet und mit dem „Benedictus“ von Haydn das Heilsberger Publikum überzeugen konnte. Marina Unruh selbst gelang eine außergewöhnlich gute Darstellung der Arie von Francesco Cilea „Io son lumine ancella“.

Auch die ehemalige Schülerin Sophie Wenzel war kurzfristig gekommen und zog das Publikum mit „Non so piu“ aus Mozarts Figaro und „Spiel auf deiner Geige“ von Robert Stolz in den Bann.

Florian Conze überzeugte nicht nur mit seiner Arie, sondern auch als Darsteller mit „Ein Mädchen oder Weibchen“, und Christopher Jähnig begeisterte unter anderem mit seiner Bass-Arie „In diesen Heil‘gen Hallen“, beides aus Mozarts Zauberflöte.

Der Tenor Alexandr Bogdanov, erst seit einigen Monaten in Deutschland, sang „Ich bin nur ein armer Wandergesell“ von Eduard Künneke. Bemerkenswert nicht nur der gut verständliche deutsche Text, sondern auch das mit Leichtigkeit gesungene Hohe C am Ende des Liedes.

Die Sopranistin Thalia Azrak berührte das Publikum mit sehr soliden und stimmigen Vorträgen genauso wie Laura Lex, ebenfalls bekannt durch die Burgfestspiele, mit ihrem sehr angenehmen und weichen Mezzosopran, und Tim-Lukas Reuter mit einer wohltuenden und ausgereiften Darbietung -gerade auch in den tiefen Lagen.

„Ein Programm, das wir nicht kennen und von dem wir nicht wissen, wie wir es am Ende finden werden“, sagte Professor Heyer in seiner gewohnt unterhaltsamen Moderation am Anfang. Der Konzertabend endete jedoch mit tosendem Applaus im Stehen in der vollbesetzten Kirche. Sehr viel Applaus hatte sich auch Hedayet Djeddikar verdient, der nicht nur das Orchester am Piano wunderbar ersetzte, sondern auch das in der letzten Minute zusammengestellte Programm einfühlsam und souverän begleitete. „Das war das bisher schönste Konzert!“ sagte eine Besucherin nach mehreren Zugaben am Ende.

 

Marcus Bourgeon